„Energiewende jetzt!“

„Energiewende jetzt!“ lautete das Thema einer Veranstaltung der Friedrich- Ebert-Stiftung in Kooperation mit dem Verein zur Förderung der Politischen Bildung OWL e.V. am 13.05.2011 im eWerk in Minden.

Die Atomkatastrophe in Japan zeigt 25 Jahre nach dem Super- GAU im sowjetischen Tschernobyl in unvorstellbarer Weise, dass Atomkraftwerke nicht hundertprozentig sicher sein können, auch bei uns nicht. Wie geht es also weiter mit der Energiewende in Deutschland? Wie kann ein sicherer Energie- Mix bei uns aussehen? Wie können wir noch mehr für Erneuerbare Energien tun?

Das sind nur drei wichtige Fragen, zu denen einer der führenden Energieexperten Deutschlands, Prof. Dr. Uwe Leprich aus Saarbrücken mit den Teilnehmern diskutiert hat.

Leprich machte deutlich, dass der Atomausstieg in Deutschland nur noch eine Frage der Zeit sei und dass die Weichen für den Einstieg in die erneuerbaren Energien bereits gestellt worden seien. Aber es spielen dabei viele Faktoren eine Rolle.

Der Anteil erneuerbarer Energien soll bis zum Jahr 2020 auf 20 Prozent ansteigen (2030, 30%) und der Energieverbrauch, soll bis 2020 um 20 Prozent sinken (2050, 50%). Um diese Ziele zu erreichen müssen Ziele, Technik und die Akteure in Einklang gebracht werden, so Leprich.

Es müssen nachhaltige und effektive Konzepte erarbeitet werden auf Seiten der Anbieter (Stadtwerke und Kraftwerke) und auf Seiten der Nachfrager (Endverbraucher und Industrie), wie man Energie nachhaltig und sicher produziert, effizient und sparsam nutzt. Auch braucht man einen starken Partner der den Übergang zu den erneuerbaren Energien unterstützt und dies wäre Energielieferanten die nur erneuerbare Energien produziert.

Bei der Frage nach dem Energiemix machte Leprich deutlich, dass wir in Deutschland „statt der Atomkraftwerke, die nicht schnell und gefahrlos regulierbar sind, neben Wind- und Sonnenstrom auch die Kraft-Wärme-Kopplung und die Modernisierung vorhandener Gas- und Kohlekraftwerke, um die schwankende Einspeisung von Wind- und Sonnenstrom abzufedern, brauchen.“

Dabei sieht Leprich die „Wind-on-shore-Anlagen“ als zentralen Grundfeiler für die deutsche Energieversorgung, die ergänzt wird durch Sonnenenergie (die neben deutschen Anlagen, auch in Anlagen in Spanien oder Nordafrika produziert werden können). Er machte auch deutlich, dass der Einsatz von modernen Gaskraftwerken als Puffer deutlich co²-sparender sind und sich leicht regulieren lassen.

Auf die Frage „was jeder einzelne Bürger machen könnte, um die Energiewende voranzutreiben“, antworte der Energieexperte, dass neben den üblichen Mitteln Energiesparlampen usw. „die Bürger bei Neuanschaffungen von elektrischen Geräten auf die Energieeffizienz achten, weniger Flugreisen machen und weniger Fleisch essen“. Damit würden die Bürger einen großen Beitrag leisten. Auch sollten die Bürger beim Heizen auf den „Stromfresser Nachtspeicheröfen“ verzichten.

Aber auch die Industrie müsse umdenken. Außerdem sollte das Ordnungsrecht verschärft werden. Bislang sei nur in einer von 14 Produktgruppen eine konsequente Wende zum Energiesparen gesetzt worden: dem Verbot von Glühbirnen. Dieses sei eine gute Entscheidung, aber letztendlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein und es müsse in allen Produktgruppen verbindliche Regeln für die Ernergieeinsparung geschaffen werden – Die Industrie muss zum umfassen Energiesparen angehalten werden.

(Text: Jens Vogel mit Mindener Tageblatt)