Die Energiewende vorantreiben

Unter dem Titel “Energiewende bewegt den ländlichen Raum” fand am vergangenen Dienstag (08.04.) in Rahden ein gemeinsamer Infoabend der SPD Rahden, Stemwede und Espelkamp statt. Moderiert wurde der sehr gut besuchte Abend vom SPD-Bundestagsabgeordneten Achim Post.

Die Energiewende ist das zentrale Thema der kommenden Jahre und Deutschland wird vor schwere Herausforderungen gestellt. In Berlin diskutiert die Politik über eine Novellierung des “Erneuerbare-Energien-Gesetz”, kurz EEG. Auch in den kommenden Jahren sollen die erneuerbaren Energieformen ausgebaut werden.

Viele sehen hier den ländlichen Raum als Motor für die Energiewende – andere sehen hier allerdings auch Konfliktpotential, wenn es um das Thema “Windräder” geht.

Windräder sind nach Ansicht von Prof. Uwe Leprich, Direktor des “Forschungszentrums Zukunfts-Energie-Systeme” in Saarbrücken an geeigneten Orten die günstige Variante bei der erneuerbaren Energiegewinnung, neben der  Stromproduktion aus Photovoltaik- und Wasserkraftanlagen. Mittelfristig sollen etwa die Hälfte des Stroms aus den erneuerbaren Energieformen gewonnen werden. Dies sei über die Zielsetzungen im EEG möglich.

Dabei muss man aber auch den Netzausbau & die Schaffung von Energiespeichern im Auge behalten. Erforderlich sei ein schneller Ausbau der Netze und deren Einbindung in einen Verbund von Speichereinrichtungen für Energie. Das könnten neben Pumpspeicherwerken auch so genannte “Gas-Speicherblasen” für Wasserstoff sein.

Windkraftanlagen 

Gerade der ländliche Raum sei für die Errichtung von Windkraftanlagen geeignet. Kritisch sehen dies Vertreter von Bürgerinitiativen aus dem Altkreis. Sie kritisieren den in ihren Augen zu geringen Abstand zwischen Wohnbebauung und Windkraftanlagen (450 Meter) und die Beeinträchtigung des Lebensraum des Storches durch die Anlagen.

Gabriele Werner (Referentin der SPD-Bundestagsfraktion für die Energiewende) machte auf die Frage zu den Abständen deutlich, dass die Abstandsregelungen Sache der Bundesländer seien und die Berliner Politik, den Ländern und Kommunen hier keine Vorgaben machen wolle.

EEG-Novelle & Förderung

Die EEG-Novelle wird von Verbänden kritisch gesehen, sie befürchten ein Abwürgen der Energiewende.  Andre Hilker, Geschäftsführer der Firma “Hilker Solar” aus Rahden , erwartet durch die Novelle keine großen Veränderungen. PV-Anlagen könnten heute schon Strom für zehn Cent je Kilowattstunde erzeugen, so Hilker.

Die Decklungen im EEG-Gesetz dagegen kritisch sieht der neue Vorsitzende des landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden-Lübbecke Hermann Seeker und verwies darauf, dass  75 Prozent aller Biogasanlagen in landwirtschaftlicher Hand seien.

“EEG-Deckelungen hemmen uns zum Teil. Anlagenbetreiber seien auf nachwachsende Rohstoffe wie Mais und Gras festgelegt und derzeit dürften sie keine Abfälle aus der Lebensmittel-Produktion oder Speisen verwenden”, so Seeker und forderte hier ein Überdenken der Decklungen. Wichtig sei für Betreiber von Biogas-Anlagen die Vermarktung des kompletten Programms – neben dem Strom auch die in den Anlagen anfallende Wärme.

Rainer Rohrbeck vom Klimabündnis Minden-Lübbecke befürchtet, dass durch die EEG-Novelierung die Bürgerbeteiligung an der Energiewende leiden könnte und mache deutlich, dass viele Projekte in Partnerschaft mit den Bürgerinnen und Bürger realisiert werden wurden. Er kritisierte die vielen Ausnahmen bei der EEG-Umlage. “Während der Mittelstand zahlt, kann sich die Industrie günstig Energie einkaufen und jammert dennoch auf hohen Niveau”.  Und auch Reinhard Steinmann von der Firma “Windconcept” in Espelkamp sieht in der EEG-Novelle die Ausnahmetatbestände kritisch.

Gabriele Werner machte deutlich, dass mit der Novelle die Energiewende nicht abgewürgt werden solle, sondern man stelle hier die Weichen für den weiteren Ausbau der Eneuerbaren Energien und korrigiert Fehlentwicklungen. Bei der jetzigen Förderung gebe es “Fehllenkungen”, etwa eine zu starke Förderung von Windrädern im Norden mit Folgen für Pachtpreise. Der Ausbau erneuerbarer Energien müsse für Investoren weiter wirtschaftlich sein, “aber über die Rendite kann man sprechen”, so die SPD-Politikerin. Die Frage werde sein, wie erneuerbare Energien in den Markt kämen, konventionelle Kraftwerke wirtschaftlich seien und alles bezahlbar bleibe.

Auch müsse die Sicherstellung der Grundlast im Fokus des politischen Handelns sein, deshalb sei die Entscheidung für Gaskraftwerke als Grundlastsicherung richtig, bei gleichzeitigen Ausbau der Erneuerbaren Energien – der mit Augenmaß vorangetrieben wird. “Investitionen in Windrädern sollen sich auf weiterhin lohnen und hier soll auch weiterhin gefördert werden, aber nur an Standorten die Mindest-Wind haben.

“Wir haben die so genannte Energiewende bestellt. Jetzt müssen wir sie finanzieren. Am Ende brauche ich Investoren, die jedes Jahr in Deutschland sechs Gigawatt an erneuerbaren Energien produzieren. Diese darf ich nicht durch Repressalien einer EEG-Novelle verschrecken”, so Prof. Uwe Leprich abschließend.

Infobox Energiewende:

2007 hat die Politik schon klare Ziele bis zum Jahr 2020 formuliert:  20 Prozent Kohlendioxid-Reduzierung, 20 Prozent Energieeinsparung und 20 Prozent Anteil von regenerativen Energien sollten bis zum Jahr 2020 erreicht werden.

Aktuell liegt der Anteil von regenerativen Energien schon bei 25 Prozent, deshalb hat die Bundesregierung nun einen Anteil von 40 bis 45 Prozent als Zielmarke bis zum Jahr 2025 gesetzt.

Hier leistet die Bundesregierung auch einen wichtigen Beitrag für die CO2-Reduzierung. Aktuell werden 47 Prozent des CO2-Ausstoßes durch die Energiegewinnung mit konventionellen Rohstoffen (Kohle, Öl, Gas) verursacht.